Niels BrĂŒggen trĂ€gt vor einer Leinwand seinen Vortrag vor

Statistik ist (manchmal) wichtiger als Programmieren?

Nach der MedienpĂ€dagogin Kristin Narr (Technik, Kritik, Methodik – Herausforderungen an MedienpĂ€dagogik heute, bpb.de) hat Niels BrĂŒggen vom JFF MĂŒnchen meinen „Data Breakthrough“-Blogbeitrag in einem Vortrag aufgegriffen (In BlogbeitrĂ€gen wie diesem habe ich daran anknĂŒpfend die Frage gestellt, ob Medienkompetenzmodelle noch zeitgemĂ€ĂŸ sind.) Ich war leider selbst noch nie beim Gautinger Internettreffen, habe mich aber sehr gefreut, dass eine Videoaufzeichnung existiert und der wichtige Vortrag von Niels BrĂŒggen weiterverbreitet werden kann (Youtube-Video):

Den gesamtgesellschaftlichen Blick auf MedienpĂ€dagogik empfand ich als sehr bereichernd: Der Gedanke, dass die Auseinandersetzung mit statistischen Methoden manchmal wichtiger als Programmier-Workshops sein kann, ist nur eines der vielen guten Beispiele im Vortrag. Die Analogie zum Turmbau von Babel empfand ich als guten Versuch, dennoch wird auch dieses Bild der gesellschaftlichen KomplexitĂ€t meiner Ansicht nach nicht gerecht. Zu vieles ist unsichtbar in der Welt der Daten, was beim Turmbau sichtbar und verhandelbar war – bei der Kulturtechnik(?) Datensammlung und -auswertung kann man Leuten nicht so leicht ĂŒber die Schultern schauen, wie es bei den Steinmetzen im Vortrag der Fall ist. Dies wurde aktuell bei der Gesichtsanalyse bei Real als auch den Ultraschall-Beacons an LandeneingĂ€ngen fĂŒr mich umso mehr deutlich – gehören diese PhĂ€nomene auch zur Medienkompetenz, wenn schon das Betreten eines Ladens eine medienkompetente Entscheidung erfordert?  FĂŒr mich weiterhin fraglich ist also, ob man Medienkompetenz noch so einfach abgrenzen kann, wenn das Smartphone in der Hosentasche in gewisser Weise auch ein „Eigenleben“ fĂŒhrt, Datenanalysen in allen Lebensbereichen an Relevanz gewinnen und fĂŒr Entscheidungen (sichtbar wie nicht sichtbar) herangezogen werden. Es scheint mir eher so zu sein, dass Medienkompetenz in einer Art neuer Alltags/Lebenskompetenz(?) aufgeht, verschwimmt bzw. integriert wird, welche Datenanalysen ganz selbstverstĂ€ndlich miteinbezieht, keinen Unterschied zwischen Analog und Digital macht sowie nicht mehr den Eindruck erweckt, dass man ab einem bestimmten Punkt tatsĂ€chlich individuell noch allumfassend medienkompetent handeln kann. Mein Vorschlag wĂ€re hier eher eine Ausdifferenzierung, um Debatten zu erleichtern. Ansonsten stellt sich die Frage, ob heutzutage fĂŒr alle AktivitĂ€ten Medienkompetenz nötig ist, bei denen Daten potenziell erhoben werden können – siehe obige Beispiele? Und wo verlĂ€uft die Linie zwischen Sozial- und Medienkompetenz, wenn Smartphones und Messenger fließend integriert sind in die Lebenswelten der Menschen? Wo beginnt und wo endet Medienkompetenz?
Ich selbst habe fĂŒr diese Frage noch keine genaue Antwort, freue mich aber sehr ĂŒber weitere Gedanken und Kommentare zum Thema! Vielen Dank an dieser Stelle an Niels BrĂŒggen fĂŒr die erkenntnisreiche Auseinandersetzung!

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