Monatsnotiz Klimakrise – November 2022

Mit dem Format Monatsnotiz möchte ich ab und an Inhalte bündeln, die ich bzgl. Klimakrise stetig dazu lerne. Inspiriert ist das Format von anderen Monatsnotiz-Blogger:innen. Diesen Monat standen „Klimagefühle“ im Fokus.

Inhalt

COP27: Die Riesen-Challenge

Da ich die diesjährige Klimakonferenz durch die Instagram-Accounts von Luisa Neubauer und Michael Bloss viel detaillierter mitbekommen habe als die vorherigen, ist meine persönliche Ernüchterung schon ziemlich groß aktuell.

Es hat mir krass vor Augen geführt, welche riesige politische und wirtschaftliche Verhandlungs-Aufgabe die Bekämpfung der Erd-Überhitzung ist. Und dies neben der Challenge die eigenen Regionen, Städte, Dörfer, Unternehmen sowie das Alltagsleben klimaneutral zu transformieren – gegen den Widerstand der Öl/Fossil-Lobby sowie der Beachtung der Sozialen Gerechtigkeit.

Dass eine globale Aushandlung in Bezug auf Klimaschutz politisch machbar ist und tatsächlich umgesetzt wird, zeigt zumindest das Montreal Abkommen für den Ausstieg aus der Nutzung von FCKW. Für weitere Beispiele zur Aufmunterung fehlt mir leider noch das (politikwissenschaftliche) Wissen.

Das entstandene Ozonloch bleibt allerdings weiter eine Problem, die Erderhitzung kann den Effekt evtl. wieder verstärken wie ich soeben gelernt habe :/

Über Lese-Hinweise zu dieser Frage freue mich drüben bei Mastodon:

Frage an die Auskenner:innen bzgl. #Klimakrise: Ist eine der Riesen-Challenges, dass eigentlich alle Gesellschaften weltweit ihre politischen Entscheider:innen dazu bringen müssen, dass sie bei den COPs / Klimakonferenzen ernsthafte Schritte gemeinsam vereinbaren & durchführen? (Neben der Challenge eigene Region klimaneutral zu transformieren + dem Druck der Fossilindustrie-Lobby zu widerstehen?). Oder überschätze ich COPs? Wie sieht pol. Idee hierfür aus? Für Lesehinweise bin ich dankbar!

https://social.tchncs.de/@mandrasch/109430720637610561

Nachtrag – Reinhard Steurer hat heute passend zum Thema einen Rück- und Ausblick vertwittert aus 25 Jahren Klimaforschung:

Klimagefühle-Hörbuch begonnen

Als Maßnahme für mein persönliches Leben habe ich das Klimagefühle-Hörbuch (auf Spotify) begonnen zu hören.

Die persönliche Einleitung der Autorinnen hat mich bereits sehr abgeholt, u.a. geht es um Klimagefühle im Alltag, das Job-Hamsterrad, Ohnmachtgefühle, die Aushandlung im eigenen sozialen Umfeld und wie die Psychologists for Future sich aus all dem gegründet haben.

Auch im Berufsleben wird dieses Thema aus meiner Sicht die nächsten Jahre enorm relevant, bspw. in Bezug auf andere Krisen und generell den sich ändernden Bedingungen, die die klassische „sich 40 Stunden und mehr aufopfern“-Lohnarbeit potenziell immer mehr in Frage stellen werden:

Das (großartige) nachhaltig.kritisch-Team hat dem Thema Klimagefühle ebenfalls einen Beitrag gewidmet:

Screenshot von Instagram-Post nachhaltig.kritisch, nicht unter freier Lizenz

In Bezug auf Jugendliche habe ich außerdem diesen hilfreichen Link von Greenpeace entdeckt: Du bist nicht alleine!

Klimakrise, Artensterben, Corona, Diskriminierung wohin Du auch schaust, belasten Dich? Damit bist Du gar nicht alleine. Für viele von uns ist es eine große Herausforderung all das mitzuerleben und weiter frohen Mutes zu sein oder die Kraft aufzubringen dagegen aufzustehen.

Das alles kommt Dir bekannt vor? Die erste Hilfe ist gar nicht weit: oft hilft es schon darüber zu sprechen und mit Freund:innen oder Bekannten darüber ins Gespräch zu kommen. Du wirst überrascht sein, wie vielen Menschen es ähnlich geht wie Dir. Tauscht Euch über Eure Beobachtungen, Sorgen und Gefühle aus. Übrigens, dear boys, das gilt auch für Euch! Viele (junge) Männer leiden darunter nicht über ihre Gefühle zu sprechen, ohne zu ahnen, dass es den meisten anderen genauso geht. Höchste Zeit alte Rollenbilder über Board zu werfen und gemeinsam eine schönere Zukunft zu gestalten.

Manchmal hilft reden aber nicht. Stimmt! Reden hilft (meistens), ändert aber erstmal noch nichts. Es braucht beides, Fühlen und Handeln: Werdet aktiv!

Greenpeace Jugend – Du bist nicht alleine!

Generell könnte man noch im Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bergman lesen, um nicht ganz so pessimistisch auf die Menschheit zu blicken. Wurde mir von Freunden empfohlen. Factfulness wäre auch eine Option. Vielleicht ein guter Vorsatz für den Jahreswechsel. 😉

Die vorletzten Generationen

Das Essay von Ann-Kristin Tlusty fasst glaube ich sehr eindrücklich den Gefühlszustand der Generationen zusammen, die als Erwachsene schon vom jetzigen System profitiert haben:

„Ich weiß nicht, wann ich mich daran gewöhnt habe, dass die Zukunft in der Katastrophe enden wird. Wahrscheinlich während der Pandemie, als langsam die Erkenntnis einsickerte, dass Krisen zur Normalität geworden sind. Irgendwann zwischen kalifornischen Waldbränden, der Flut im Ahrtal und dem Fakt, dass den USA die Namen für Hurrikans ausgehen, begriff ich, was ich schon in der Schule gelernt, aber nicht verstanden hatte.

Ich weiß um die Klimakrise. Ich weiß, dass sie eine existenzielle Bedrohung auch meiner Zukunft bedeutet. Aber fühle ich sie? Ehrlich gesagt: Nein.

Ann-Kristin Tlusty – Die Welt geht unter, aber ich fühl’s nicht

Der Artikel ist leider hinter der Paywall, aber auf piqd gibt es einen Teaser von Sara Schurmann: Eigene Verdrängung überwinden, um die kollektive zu durchbrechen.

Letzte Generation

Über das Thema wird derzeit genug berichtet, daher hier nur folgender Link:

Die Aktionen der „Letzten Generationen“ seien kontraproduktiv für die Sache des Klimaschutzes, behaupten viele. Aber ist das wirklich so? Ich hab mir mal angeschaut, was die Forschung zu dem Thema sagt. Stellt sich raus: Die Sache ist nicht so einfach. Und die die „radikalen“ Aktionen sind effektiver als man denken möchte: https://astrodicticum-simplex.at/2022/11/kleben-kunst-und-klimaschutz-sind-die-aktionen-der-letzen-generation-kontraproduktiv/

Florian Freistetter (@astrodictum) auf Mastodon

Wie sieht sie aus, die neue Welt?

In der letzten Monatsnotiz Oktober ging es ja bereits um Green Growth vs. Degrowth. Auf Mastodon wurde ich auf folgenden Artikel aufmerksam gemacht, der – für mich – einige neue Impulse geliefert hat:

Viele Klimaaktivisten spüren, dass der Abschied vom Kapitalismus schwierig wird. Greta Thunberg wurde kürzlich von einem Anhänger gefragt, wie denn das künftige System aussehen soll. „Ich weiß es nicht“, antwortete sie. „Es wurde bisher noch nicht erfunden.“ Um sich dieses „grüne Schrumpfen“ vorzustellen, hilft es, vom Ende her zu denken

Schrumpfen statt Wachsen – Ulrike Herrmann (taz.de)

Ulrike Herrmann war zuletzt auch bei Jung & Naiv, die Folge habe ich selbst noch nicht geschaut:

Business as usual?

Zum Thema „Business as usual“ fielen mir diese zwei hilfreichen Visualisierungen auf:

Sehr positiv finde ich derzeit das Engagement der Entscheider:innen und Mitarbeiter:innen der Ökostrom AG. Unter anderem fordert die Ökostrom AG öffentlich deutlich mehr Windräder für Österreich:

Screenshot Ökostrom AG, nicht unter freier Lizenz

Auch der Ansatz der Gemeinwohlökonomie (GWÖ), mit welcher Firmen wie Vaude, Sonnentor und weitere ihr soziales und ökologisches Wirken messen, zielt auf ein neues ‚business as usual‘:

(Randnotiz: Wer sich bzgl. GWÖ noch an den ‚Impfdebatten-Beitrag‘ des GWÖ-Gründers erinnert, findet hier eine offizielle Stellungnahme der GWÖ-Verbände in Deutschland. Das Hochhalten von wissenschaftlichen Standards wird beim Umweltschutz wohl generell eine Herausforderung bleiben, siehe bspw. die Folge von MaiThinkX zu Demeter und biodynamischer Landwirtschaft. Ist aber generell eine Herausforderung in allen Lebensbereichen.)

Auch die Donut-Ökonomie zielt auf ein neues ‚business as usual‘:

(Angeblich) grüne ETFs

Da ich mich gerade nebenbei ein wenig mit dem Thema ETFs beschäftige, bin zumindest ich persönlich zu einem eher vernichtenden Urteil gekommen. Wer von der (sowieso derzeit sehr un-nachhaltigen) Weltwirtschaft mit profitieren möchte, hat kaum eine echte Chance auf Nachhaltigkeit zu setzen:

Erwiderungen und Hinweise sind natürlich gerne gesehen.

Climate Action Venn Diagram

Bzgl. guter Vorsätze eignet sich vielleicht dieser Beitrag, den ich schon vor länger Zeit gesehen habe: Das Climate Action Venn Diagram.

Erinnert habe ich mich aktuell daran, weil ich diese inspirierende Erwiderung zu einem vermeintlichen ‚Ikigai Venn Diagram‘ gelesen habe, in welchem die japanische Lebensphilosophie des ikigai einfach mal brutal westlich verkürzt wurde: https://medium.com/ikigai-insights/ikigai-is-not-a-venn-diagram-cca7abba323

Klima-Dashboard

Im November fragte mich kurz, wie es denn gerade konkret um die derzeitige Erhitzung der Erde steht. Aus den IPPC-Berichten (Podcast-Empfehlung Das Klima) war dies für mich nicht so schnell auffindbar, aber ich wurde bei klimadashboard.at fündig.

Musiktipp: Conny

Ich war beim Konzert und war begeistert, große Empfehlung! Mit Schäm dich gibt es auch einen Bezug zur Klimakrise.

Greta Thunberg bei The Russel Howard Hour

Greta Thunberg hat ein „Klima Buch“ veröffentlicht:

Zum Abschluss hier ein freudiges Video, welches ich zufällig entdeckt habe:

Habt einen guten Dezember (und macht öfter mal „Krisen-Pause“, habe ich mir persönlich auch vorgenommen)!

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