Eine der Fragen, die mich persönlich umtreibt: Wie kann man über Klassen- und Machtunterschiede innerhalb der Gruppe „Männer“ reden?
Mit den (teils elitären) Männern, die in Entscheidungspositionen sitzen, habe ich persönlich ebenso wenig Kontakt wie die meisten Frauen aus der „Unter-“ und Mittelschicht (vermute ich). Und ebenso hilflos und ohnmächtig fühle ich mich oft auch eben diesen Männern gegenüber, die vermeintlich am Hebel sitzen bzgl. Klimakrise, Geschlechter-Ungerechtigkeit, etc. Wie spricht man dann über diese Klassen- und Habitus-Unterschiede innerhalb „der Männer“? Falls jemand hier einen Literaturtipp für mich hat, freue ich mich! Thx! 🤗
Es könnte ja das verbindende Element sein, die gemeinsame Ohnmacht und Wut auf Männer in den aktuellen Entscheidungspositionen? Kurz bevor ich diesen Beitrag veröffentlichen wollte, wurde ich (via Lea Dohm) auch auf diese neue Studie der Malisa Stiftung aufmerksam – welche auch darauf verweist, dass einige Männer ebenso unter den aktuellen Bedingungen leiden (während sie zeitgleich von Privilegien profitieren).
Einer, der sich diesem Thema Eigenverantwortung der Männer aktiv widmet und versucht die Grenzen neu auszuloten bzgl. Anti-Sexismus, männlichem Feminismus sowie auch Klimaschutz ist der Rapper Conny (* 1987 in Düsseldorf):
Durch meine Freundin habe ich angefangen, mich intensiv mit der Thematik zu beschäftigten. Inzwischen lese ich extrem viel feministische Literatur. Je mehr ich mich damit beschäftigte, desto deutlicher wird mir der Strukturalismus des Problems. Ich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass wir in einer Demokratie leben, die alles dafür tut, dass es uns gut geht. Festzustellen, dass Menschen strukturell benachteiligt werden, war ein ziemlicher Schlag. Meine Mutter, meine Schwester, meine Partnerin – plötzlich zu erkennen, dass man die Probleme ganz lange nicht gesehen hat, war schon krass. Ich habe ganz lange von den Strukturen profitiert. Auch wenn ich nicht direkt davon betroffen bin, will ich etwas gegen diese Ungerechtigkeit tun.
CONNY im Interview über Feminismus, den Klimawandel und Fundamentalismus (rap.de, 2020)
Kein Bulle kniet sich 9 Minuten auf mein Hals
Auf Sylt singt niemand Lieder die mir sagen ich bin falsch
Männlich ist nur jedes 5te Opfer häuslicher Gewalt
Und kein Faschist hat meine Heimat überfall’n
Nein, ich werde nicht angespuckt fürs Tragen Zeichen meiner Religion
Mir sagt niemand geh nach Hause in dem Land in dem ich wohn‘
Niemand denkt sich neue Worte aus wenn er zu mir „verpiss dich“
Sagen möchte aber Angst hat vor dem Wort „Deportation“
Nein im Ernst, ich hab gesucht
Alle diese Worte trafen niemals auf mich zu
Es gibt kein Wort für eine Frau mit gleicher Qualifikation
Verdient im Durchschnitt 18% Prozent mehr als du, ich bin sicher jetzt
Dass Empathie genau wie Solidarität
Nicht Dinge sind die manche haben und die anderen Menschen fehlen
Ich bin sicher, das hat nichts zu tun mit Bildung und Geschlecht
Ich bin sicher manche lassens zu und andre drückens weg […]Und wenn der Körper anders ist und wenn die Haare anders sind
CONNY – Es geht doch um mich
Musst du fragen bis es irgendetwas gibt
Und wenn die Liebe anders ist und wenn die Sprache anders ist
Musst du lesen bis es irgendetwas gibt
Und wenn die Geschichten andre sind und wenn die Fragen andre sind
Musst du zuhören bis es irgendetwas gibt
Und vielleicht hast du Angst vor diesen Fragen, vielleicht fragst du deshalb nicht
Denn wer weiß was die Antworten sagen werden über dich
Deshalb tun wir lieber als ob uns das alles nicht betrifft
Deshalb schreib ich über Solidarität – und am Ende gehts um mich
Wie kann es sein, dass jede zweite Frau, wirklich jede zweite Frau
Conny – Zahnpastalippen
Gewalterfahrung macht, wahrscheinlich sogar bei ihr zuhaus‘
Aber dann kein Mann einen Täter kennt, da geht doch was nicht au
Und nein, die linke Szene nehm‘ ich da nicht raus
Ok es stimmt wir brauchen händeringend Männerstimmen für die das Wort Feminist
Mehr ist als überlegen welches Privileg entbehrlich ist
Ja auch Männern gehts nicht gut und das hat wenig Platz
Aber Männerrechtsbewegungen sind absoluter Quatsch
Ich hab mir das angeschaut und teil‘ euch gerne die Erkenntnis mit
Dass Männerrechtler leider meistens einfach rechte Männer sind
Du nickst anerkennend, sagst „für den Anfang gar nicht schlecht“
Kurz bevor ich diesen Beitrag veröffentlichen wollte, wurde ich (via Lea Dohm) auch auf diese neue Studie der Malisa Stiftung aufmerksam – welche auch darauf verweist, dass Männer ebenso unter den aktuellen Bedingungen leiden:



Schreibe einen Kommentar