Eine Sache, die mein Kopf einfach nicht verstehen will: In manchen Branchen müssen Angestellte in Österreich noch 40h für ein Vollzeit-Gehalt schuften, während in anderen Bereichen es die 38,5h schon länger in den Kollektivvertrag geschafft haben.
Friseur:innen arbeiten bspw. noch die vollen 40 Wochenstunden – während Programmierer:innen im IT-Kollektivvertrag nach 38,5 Stunden „Hoch die Hände, Wochenende“ rufen.
Bevor man das dickere Brett 4-Tage-Woche – oder ähnliche Modelle für eine dringend nötige Arbeitszeitreduzierung – durchkämpft, müssen wir doch zeitgleich erstmal alle Beschäftigten auf 38,5h angleichen?! 🤯
Kennt sich hier jemand aus, woran es hapert – und wie es überhaupt dazu kam?
Hinweise gerne in die Kommentare, per Bluesky-DM, Mastodon DM, öffentliche Mention oder per E-Mail. Vielen Dank!
Reaktionen und Kommentare werden hier ergänzt …
Es muss doch für alle 40h-Angestellten blanker Hohn sein, wenn sich Arbeiter:innen mit 38,5h für weitere (durchaus berechtigte) Arbeitszeit-Reduzierungen einsetzen und diese öffentlich diskutieren – während andere weiter auf 40h-Basis arbeiten?
Kampagnen-Entwurf: #Schritt1
Mit KI ist es inzwischen einfach, schnell ein (durchschnittlich okayes) Kampagnen-Logo zu entwerfen. Viel Luft nach oben, aber ungefähr so würde ich mir eine solidarische Kampagne für einen gesellschaftlichen Quick Win vorstellen:

Gewerkschaftliche Positionen zur Reduzierung?
Gewerkschaftlichen Positionen bzgl. Arbeitszeit(-Reduzierungen) im Allgemeinen finden sich übrigens u.a. hier:
- https://www.oegb.at/themen/arbeitsrecht/arbeitszeit
- https://www.gpa.at/themen/arbeitszeit/zeit-zu-handeln–arbeitszeit-im-wandel-der-gesellschaft
- Gesetzliche Interessensvertretung der Arbeitnehmer:innen: https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitundsoziales/arbeitszeit/Kuerzer-arbeiten.html
Auf Instagram kommentierte die ÖGB mir kurz, dass die 4-Tage-Woche bspw. bereits eine gewerkschaftliche Position ist. Bekomme nur ich davon nichts mit oder müsste ich Gewerkschaften beitreten, um über den aktuellen Stand informiert zu werden? 🤔
Die Argumente für eine weitere Arbeitszeitreduzierung sehen u.a. wie folgt aus:

Sommerloch in Austria: Frauen in Teilzeit bashen.
Zeitgleich tobt in Österreich übrigens die Sommerloch-Debatte um angeblich unmotivierte Arbeiter:innen in Teilzeit, die doch lieber mal Vollzeit arbeiten sollten für den Wohlstand TM des Landes, der anscheinend (?) in Gefahr ist. Es werden ernsthaft „Bestrafungen“ debattiert. Fun fact: Viele würden gerne, aber es wird ihnen verunmöglicht / gar nicht erst angeboten. Von anderen Faktoren wie mangelnder Kinderbetreuung, Pflege-Verpflichtungen, etc. ganz abgesehen. Im Fadenkreuz mal wieder primär: Frauen.
Sozialverbände, Gewerkschaften, NGOs halten medial dankenswerterweise dagegen:
Anstatt Teilzeitkräfte zu bestrafen, müsste die Politik endlich die realen Probleme lösen: einen flächendeckenden Ausbau der Kinderbetreuung, bessere Pflegeangebote, Arbeitszeitmodelle, die Flexibilität wirklich ermöglichen. Es sei erinnert: Wir arbeiten, um zu leben. Wir leben nicht, um zu arbeiten. Auch wenn das die Industriellenvereinigung gerne hätte.
Barbara Schuster, Teilzeit bestrafen? Das trifft die Falschen – und schwächt die Wirtschaft (https://www.moment.at/story/teilzeit-bestrafen-schlechte-wirtschaft/)
Siehe auch Volkshilfe (Instagram): Teilzeit ist kein Luxus. Teilzeit ist Folge verfehlter Politik, ÖGB (Instagram), GPA (Instagram).
Was ist da los? Geht Arbeitgeber:innen und der konservativen Politik gerade der *rsch auf Grundeis, will man Stärke demonstrieren für bessere Zustimmungswerte, will man Kanzler Merz vom Nachbarland alles nachmachen?
Hinweise hierzu ebenso gerne in die Kommentare! Wobei ich eigentlich hoffe, dass sich diese rückwärtsgewandte Sommerloch-Debatte zeitnah wieder verabschiedet. 😉


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