5. September 2026·Kategorie: Coding

Owning a pile of code you can no longer narrate

Owning a pile of code you can no longer narrate

Das war nicht nicht mehr das Handwerk, dass ich als Teenager lieben lernte als ich meine ersten eigenen Zeilen in .html- und .php-Dateien schrieb – und die Inhalte im Browser aufschienen. Es war plötzlich ein tägliches, elendiges Hamsterrad aus Prompten & Warten – weil ich anscheinend einen wichtigen Tipp missachtet habe.

Was war passiert?

AI-Coding nahm mir schrittweise die Freude am beruflichen Programmieren.

Und das, obwohl ich gut vorankam, der Output teils beeindruckend war. Aber jeden Tag nur prompten, warten, prompten, warten … – in mehreren Sessions parallel – fühlte sich nicht mehr wie ein guter, zufriedenstellender Arbeitstag an, an dem man etwas selber geleistet hatte.

Hinzukommt die Versuchung, alle Änderungsvorschläge einfach durchzuwinken, „done is better than perfect“.

Auch ich überlegte, die AI-Tools wieder zu verbannen – aber ist das die Lösung?

Eine ähnliche Erfahrung beschreibt YouTuber Brett Codes in seinem aktuellen Beitrag „I’m done using AI“ (https://lnkd.in/dqB-2Jvq):

Je mehr KI er nutzte, desto distanzierter fühlte er sich zur Software.

Der Developer Edu (eduzsh@mastodon.social) reagierte hierauf – für mich – eindrücklich:

„Most ‚I am done coding with AI‘ stories […] are about owning a pile of code you can no longer narrate.“

Sein goldener Tipp:

„Shrinking each change until you can still explain it tends to fix the feeling faster than going cold turkey.“
(Quelle: https://lnkd.in/dkttdkH8)


Hiermit konnte ich relaten. Beruflich stand ich zuvor für meine Code-Entscheidungen ein, diskutierte sie im Review mit anderen Developer:innen.

Unter Deadline-Druck wählte ich zuletzt oft den Weg des geringsten Widerstands – Claude Code lieferte den Output, ich vernachlässigte die tiefe Durchdringung. Zudem wollte ich aufgeschlossen gegenüber dem Neuen sein.

Das Paradoxe: Privat erlebte ich KI-Coding komplett anders, es half mir unglaublich und war begeisternd. Bei Prototypen wie „Quick DDEV Previews“ (mit Open Code Go) oder Infoprojekten wie dem Hashtag#KarenzWizard brachten mir KI-Tools enormes Vorankommen – weil dort viel mehr das anvisierte Endergebnis zählte, nicht die langfristige Wartbarkeit o.ä.

Und weil man diese Sideprojects halt schnell mal am Feierabend oder Wochenende voranbringen möchte – und einem allein oft die (hu)man power fehlt.

Treten wir einen Schritt zurück.

Anthropics Lead of Claude Code, Boris Cherny, ist um keine kontroverse These verlegen. Spannend finde ich jedoch seine Analogie zur Erfindung des Buchdrucks, dem „Gutenberg Moment“. In den 50 Jahren nach dieser Erfindung erschienen mehr Bücher als in den 1000 Jahren zuvor – und ebenso werden nun Billionen neuer Code-Zeilen generiert. (Quelle: „What does AI coding have in common with the printing press?“, https://lnkd.in/d-vYQbjA)

Wie bewerten wir diese Billionen Zeilen in Zukunft? Das neue Spannungsfeld zwischen „get things done“ und Code-Ownership, Code Quality & Co wird uns vermutlich vorerst begleiten.

Wie geht ihr beruflich mit dieser Herausforderung um? Welche Tipps habt ihr um die Freude am Handwerk nicht zu verlieren? Und wie unterstützen Firmen & Agenturen ihre Mitarbeiter:innen hierbei?

Dieser Beitrag habe ich auch auf LinkedIn veröffentlicht (in verkürzter Version), kritische Kommentare sind weiterhin gern gesehen!